Hospitation bei Birgit Hoch in Diedorf

Als ich mich dem alten Haus nähere, lachen mir kunterbunte Fensterläden entgegen. Neben der Treppe, die zur Eingangstür führt, steht, liebevoll dekoriert, eine Schale mit Hauswurz, Steinen und allerlei Krimskrams, der mir sofort ein Lächeln ins Gesicht zaubert. An der Tür werde ich von einem großen jungen Hund begrüßt, der sich riesig über mein Kommen zu freuen scheint. Zumindest sein Schwanz teilt mir dies mit. Birgit Hoch in Diedorf begrüßt mich herzlich in ihrer pädagogischen Praxis.

Bilder von Affen, drei Giraffen auf den Treppenstufen nach oben und so vieles mehr, dass ich es gar nicht alles aufzählen kann. Schon beim Hochsteigen hebt sich mein Wohlfühl-Barometer.

Ein Herz für Kinder mit Lernschwierigkeiten

Dann sitze ich in einer gemütlichen Wohnküche, dem Wartezimmer der pädagogischen Praxis, mit einer Tasse Tee in der Hand und lerne Frau Hoch, die Chefin, kennen. Sie ist Lerntherapeutin und arbeitet mit Kindern, die Schulprobleme haben. Sie erzählt mir von den Kindern, die zu ihr und ihren Kolleginnen kommen. Als sie über die Kinder spricht, die sie betreut, spüre ich, wie sehr sie diese liebgewonnen hat. Eine Frau mit einem riesigen Herz. Die meisten Kinder haben viele schlimme Erfahrungen gemacht, so erzählt Frau Hoch. Alle haben Legasthenie, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Dyskalkulie oder Rechenschwäche. Manche sogar eine Kombination davon. Fast alle haben zusätzlich Probleme mit Konzentration und Aufmerksamkeit. Zu den Schwierigkeiten im Rechnen, Schreiben oder Lesen kamen zu Beginn der Therapie aber noch Ängste, manche fühlten sich als Versager und hatten jede Lust am Lernen verloren. Bei vielen war Schule ein rotes Tuch, einige waren sogar depressiv, aggressiv oder hatten sich total verweigert.

Fast wie beim Kindergeburtstag

Doch als ich die Kinder dann kennenlerne, kann ich es fast nicht mit den Erzählungen von Frau Hoch zusammenbringen. Hat sie wirklich von diesen Kindern gesprochen? Haben sie vor wenigen Monaten noch solche Probleme mit dem Lernen gehabt? Die ersten Kinder stürmen in die Küche. Die Eltern setzen sich an den Tisch und trinken Kaffee oder gehen wieder, um ein paar Erledigungen zu machen. Die Kinder lachen, erzählen von den Ferien und was sie alles Tolles erlebt haben. Es entsteht eher die Stimmung eines Kindergeburtstags, denn einer therapeutischen Praxis, in der hart gearbeitet wird. Die Kinder scheinen gerne hier her zu kommen. Bei allen läuft es immer noch nicht rund, sonst wären sie ja nicht mehr da. Aber ein ängstliches oder trauriges Gesicht habe ich, wenn überhaupt, nur kurz gesehen.

Mit Spaß und Freude lernen

Ich kann kaum glauben, dass diese Kinder eine Diagnose mit Legasthenie oder Dyskalkulie haben, als ich sie näher kennenlerne. Da steckt schon eine Menge Fortschritt drin, so wie sie jetzt Rechnen, Schreiben oder Lesen. Von Ängsten oder schwarzen Löchern ist gar nichts zu spüren. Bei einigen darf ich mitkommen in die Stunde. Schon das Zuschauen macht Lust auf mehr: beim Lesen trommeln die Kinder, den Takt geben die Silben vor. Andere machen Konzentrationsspiele, Rechenspiele oder trainieren genaues Hinschauen. Auch Gleichgewichtsübungen, Bewegungsspiele, Malen oder Basteln stehen auf dem Programm. Bei vielen Übungen werde ich gleich einbezogen und mache mit. Die Kinder werden ständig gelobt, lachen oft und ich habe den Eindruck, dass sie mit viel Konzentration und Eifer bei der Sache sind. Ein Arbeitsklima, wie es idealer nicht sein kann. Am Ende einer Therapiestunde bekommen die Kleinen einen Aufkleber. Haben sie zehn gesammelt, gibt es ein Geschenk. Vor den Weihnachtsferien hatte es eine Werkstatt-Woche gegeben und die Kinder haben Fackeln hergestellt. Im Sommer wird es eine Freizeit geben und die Ältesten dürfen als Betreuer mitfahren.

Warum gab es das früher nicht?

Ich bin ein bisschen neidisch, dass es solche Lerntherapie wie bei Birgit Hoch in Diedorf damals für meinen Sohn noch nicht gab. Er hat fast immer die Hausaufgaben verweigert und war von der ersten Klasse bis zum Hauptschulabschluss eine riesige Herausforderung für Eltern und Lehrer. Rechtschreibung und Rechnen klappte gar nicht. Er sollte sogar Ritalin bekommen, obwohl er gar nicht hyperaktiv war. Diagnose ADS und Legasthenie. Von Dyskalkulie hatte ich damals noch nichts gehört. Aber vielleicht hatte er das auch. Zum Glück war sein Sozialverhalten vorbildlich und es gab keine Beschwerden, dass er gestört hätte. Jeden Nachmittag hatten wir Streit, weil er keine Lust hatte, nur herumtrödelte und für ein Wort oder eine Rechenaufgabe eine Ewigkeit brauchte. Wäre er nicht überdurchschnittlich intelligent gewesen, ich hätte ihn wahrscheinlich in eine Förderschule stecken müssen, denn zu Beginn der 4. Klasse konnte er weder richtig Lesen, Schreiben noch Rechnen. Eine Montessorischule war unerreichbar weit weg, in ein spezielles Internat für Legastheniker wollte mein Mann ihn nicht geben. Wahrscheinlich hätten wir es uns mit vier Kindern auch gar nicht leisten können, davon mal abgesehen. Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe brachten auch keine Erleichterung. Ich kann also gut mitfühlen mit den Eltern und kenne viele Nöte dieser Kinder, die hier in die Praxis kommen.

Zum Glück ein gutes Ende

Schnell bemühe ich mich, die dunklen Erinnerungen weg zu schieben und bin froh, dass trotz dieser Lernschwierigkeiten aus meinem Sohn ein zufriedener Mensch geworden ist. Er hat sogar die Fachhochschulreife geschafft und arbeitet inzwischen in der IT-Branche. Das wünsche ich allen Kindern hier auch: dass sie ihre Herausforderungen annehmen und das Beste daraus machen.

Lauter kleine Einsteins

Insbesondere Kreativität und Ideenreichtum sind für Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie ein Markenzeichen und hier steckt in meinen Augen ein riesiges Potential, das unsere Gesellschaft sehr bereichern könnte. Lauter kleine Einsteins werden in der Fabrik Schule kaputt gemacht. Es grenzt an ein Wunder, wenn einige resistent genug sind, das Martyrium zu überstehen. Das soll keine Anklage an die Lehrer sein. Diese bemühen sich wirklich und geben ihr Bestes. Meine Mutter und Oma waren Lehrerinnen. Meine beiden Schwiegertöchter und meine beste Freundin ebenfalls. Ich kenne also den Schulbetrieb hautnah. Es sind die Rahmenbedingungen, die Schüler wie Lehrer zur Verzweiflung bringen können: zu viel Stoff im Lehrplan, zu große Klassen, zu wenig gehirngerechte Pädagogik und am Wichtigsten, zu wenig Spaß und Freude. Gut, dass es solche Menschen wie Birgit Hoch in Diedorf gibt, die Kindern mit Lernschwierigkeiten helfen, wieder selbstbewusst in eine glückliche Zukunft zu marschieren.

Da will ich arbeiten

Mein Fazit nach einer Woche Hospitation: Für die Kinder ist es wirklich ein Segen, in die pädagogische Praxis in Diedorf kommen zu können. Ja, hier will ich arbeiten und mitwirken. Bei Frau Hoch und ihren Kolleginnen will ich Team-Mitglied sein. Ich freue mich schon auf meine ersten eigenen Kinder und wünsche mir, dass sie mich genauso anstrahlen, wenn sie zu mir kommen. Gleich übermorgen darf ich anfangen.

Und was mich besonders freut: ganzheitliches Denken ist erwünscht. Somit werde ich mein Wissen als Heilpraktikerin einfließen lassen können. Auch meine systemischen Therapien für die Arbeit mit Familien, die Probleme mit Trennung, Scheidung oder Tod eines Familienmitglieds haben, werden in der Praxis von Birgit Hoch einen Platz bekommen.

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