Für Berater, Coaches, Trainer und Lehrer, die auf Online umstellen wollen

Für Berater, Coaches, Trainer und Lehrer, die auf Online umstellen wollen

Willst du auf eLearning, Webinare, Online-Coaching oder Online-Beratung umstellen? Dann bist du hier richtig. Denn du erfährst in diesem Beitrag, wie du das am Besten machen können.

Meine Kompetenzen in Sachen Online-Kommunikation

Seit 2013 gebe ich Online-Kurse und Webinare. 2018 habe ich im Rahmen meiner Bachelorarbeit (Studiengang Bildungswissenschaft / Pädagogik B.A. an der Fernuniversität Hagen) eine empirische Studie über die Wirksamkeit von systemischer Online-Beratung gemacht. Zu diesem Zweck habe ich viele Online-Coachings durchgeführt und auch einige Weiterbildungen zum Thema Online-Beratung besucht. Näheres findest du hier.

Da ich jedoch die systemische Arbeit auf Online-Kommunikation übertragen wollte, musste ich mir das meiste selbst ausdenken und adaptieren. Ich habe auch als Klientin einige Erfahrungen gemacht, denn ich habe zwei Menschen gefunden, die lösungsorientierte und systemische Beratung mit mir auf Online-Kommunikation übertragen haben. Wir haben Experimente in mehreren Plattformen gemacht.

Auch in einigen der Weiterbildungen gab es das gegenseitige Üben und Erfahren unter Peers. Dies halte ich persönlich für besonders wichtig. Denn wenn wir nicht wissen, wie sich systemische Online-Beratung anfühlt, können wir auch nicht gut coachen und beraten.

Empirische Studie über die Wirksamkeit von systemischer Online-Beratung

Die Ergebnisse meiner empirischen Studie kann ich so zusammenfassen: es gab für die Klienten eine subjektive Verbesserung in allen Bereichen des Lebens durch das Online-Coaching. Nicht nur in den Bereichen, an denen wir in der Beratung gearbeitet hatten. Somit führte die Beratung zu mehr Zufriedenheit.

Auch das Thema Nähe wurde nur von wenigen beanstandet. Die meisten fanden online gleich oder sogar besser, als persönliches Coaching.

Die Powerpoint der Präsentation findest du hier.

Online-Beratung und Online-Coaching

Beratern und Coaches, die auf Online umstellen wollen, empfehle ich CAI-World, Miro und Zoom. Plattformen wie Skype und co. sind keine Alternativen für professionelle Berater und Coaches, da sie die deutschen Datenschutz-Bestimmungen nicht erfüllen.

Video und Protokoll

In meinen Augen braucht es die Videofunktion nur am Anfang, um sich kennenzulernen. Wird gearbeitet, ist es oft hilfreich, sie auszuschalten, denn so ist die Klientin ganz bei sich. Das spart auch gleichzeitig Internet-Kapazitäten. Für Coaches, die auf Mimik und Körpersprache angewiesen sind, bleibt das Video natürlich an.

Ich habe mit meinen Klientinnen sowieso die meiste Zeit Bilder angeschaut, Aufstellungen gemacht und mit visuellen Tools gearbeitet, deswegen hatten wir überhaupt keine Zeit, unser Video-Bild näher zu betrachten.

Gleichzeitig zur Arbeit und Gespräch habe ich die wichtigsten Punkte auf Whiteboards oder im Chat protokolliert, so dass alles Gesagte sofort visualisiert wurde. Ich kann allerdings auch 10-Finger-Blind schreiben. Jedoch bin ich leicht legasthenisch und das finde ich manchmal peinlich… Ich fand das Protokollieren sehr wichtig und kann es jedem ans Herz legen.

CAI-World

Für systemische Beratung ideal ist die CAI-World. Hier der Link. Dort habe ich die empirische Studie für meine Bachelorarbeit gemacht. Die Powerpoint der Präsentation findest du hier. Dort sieht man einige Tools aus der CAI-World wie „Inneres Team“ oder „Ressourcenbaum“. Sogar Tetralemma, Timeline und Aufstellungen der Familie oder der Kollegen gehen wunderbar online. Es gibt auch Bildschirm-Freigabe. Habe ich aber nie ausprobiert.

Störungen gab es mit dem Ton, der war manchmal abgehackt. Deswegen habe ich immer gleichzeitig per Telefon geredet und wir haben im Beratungsraum zusammen gearbeitet, manchmal mit, manchmal ohne Video, wie jeder wollte. Da ist es nicht so schlimm, wenn es mal kurze Video-Aussetzer gibt. Beim Ton ist das blöd, wenn man nachfragen muss.
Das Problem lag aber eindeutig an meinem Internet hier.

Ein weiterer Vorteil der CAI-World ist, dass alles nach deutschem Datenschutz geregelt ist und es da nicht zu Problemen kommen kann. Das bedeutet aber, der Klient muss sich einen eigenen Account anlegen mit Passwort, muss sich einloggen und dann noch den Beratungs-Raum finden. Da gab es gelegentlich Probleme. Da wir jedoch immer auch telefoniert haben, war es nicht weiter schlimm.

Super ist, dass dieser Beratungs-Raum nur für die Leute ist, die da zugelassen sind und es kann dort auch nach dem Coaching weiter gearbeitet werden. Niemand sonst kann diesen Raum sehen, auch das Team der CAI-World nicht.

Auch kann eine Pdf aller Whiteboards und Tools gespeichert werden. Der Raum bleibt erhalten, bis er gelöscht wird. Entweder trifft man sich dort weiter oder legt für jedes Treffen einen neuen Raum an. Ich bin pro Klient immer in einem Raum geblieben, bei Paaren hatte ich einen Raum für beide und einen für jeden Einzeln.

Hauptnachteil: Die CAI-World ist recht teuer und lohnt sich nur, wenn die Einnahmen durch Online-Beratung auch stimmen. Leider habe ich es nicht geschafft, da ein großes bezahlfreudiges Klientel zu aquirieren. Deswegen habe ich meinen Account gekündigt und mich nach kostenlosen Alternativen umgesehen. Sie sind inzwischen jedoch günstiger geworden, aber ich hatte dann meine Alternative bereits gefunden.

Fazit: Ich finde die CAI-World super, aber zu teuer.

Zoom

Dies ist die Plattform, die ich gerade benutze, sie ist zu zweit kostenlos. Hier die Preise.
Das Whiteboard ist nicht ideal. Man kann Karten schreiben (klicken auf T) und diese hinterher auch verschieben (klicken auf das Kreuz). Aufstellung geht also, jedoch ohne Bilder und Symbole. Die Blickrichtung müsste man vorher festlegen und vielleicht mit Pfeilen einzeichnen.

Man kann die Karten aber hinterher nicht mehr anklicken und dort etwas einfügen oder verbessern. Auch der Klient kann auf dem Whiteboard arbeiten. Das finde ich super.

In Zoom gibt es Bildschirmfreigabe, da kann man dann alles machen, was man sonst so auf dem Rechner hat, also Textverarbeitung, Malprogramme usw. Auch der Klient kann den Bildschirm freigeben. Es lässt sich also eine Bilddatei zusammenstellen und eine Datei mit Hintergründen für die Arbeit mit Ressourcenbaum, Tetralemma usw. Diese pdf kann als Hintergrund benutzt werden und auch darauf können Karten geschrieben und verschoben werden. Da ich keine Möglichkeit gefunden habe, die Textgröße oder Kartenfarbe zu verändern, bleibt das jedoch weit hinter den Möglichkeiten der CAI-World zurück.

Bild und Ton sind in Zoom sehr stabil, ich habe bisher fast noch nie Aussetzer erlebt.

Die Einladung in den Beratungs-Raum funktioniert recht unkompliziert. Dem Klienten wird ein Link geschickt und ohne Account usw. kommt man in den Beratungs-Raum. Man muss jedoch zwei Sachen zustimmen. Es wird ein kleines Programm installiert, dass sich beim Beenden des Webinars wieder löscht. Außerdem muss den Video- und Audiofunktionen zugestimmt werden.

Ich dachte bisher, Zoom wäre für die Anwender super einfach. Es gibt leider immer wieder auch Menschen, die mit Zoom überfordert sind, habe ich gerade gestern bei einer Online-Beratung erlebt. Die Klientin hat es erst nach 20 Min. geschafft, in den Beratungs-Raum zu kommen. Jedoch ohne Ton. Wir haben es dann sein gelassen….. Der Computer muss auf dem neuesten Stand der Technik sein und auch regelmäßig upgedated werden, sonst gibt es Schwierigkeiten….

Mein Fazit: wenn es mit der Bildschirm-Freigabe und weiteren Tools auf dem Computer kombiniert wird, ist Zoom unschlagbar. Ich bin auch am überlegen, noch ein interaktives Whiteboard oder Padlet hinzu zu nehmen und den Klienten diesen Link zu schicken, so dass sie dann auch selbst dort arbeiten können. Das finde ich bei Aufstellungen sehr wichtig.

Miro

Miro ist eine Plattform, die ich mehrfach mit einem anderen systemischen Berater probiert habe, ich als Klient und er als Klient. Wir haben mehrere Experimente von Beratungen gemacht. Also richtige Beratungen mit eigenen Themen, nicht nur als Spiel. Da wird sehr viel mit Bildern gearbeitet und man kann sich eine eigene tolle Bildgalerie zusammenstellen. Hier der Link zu Miro.

Ich glaube für Jugendliche ist das was und ich werde es mir noch einmal genauer ansehen, denn ich denke, das könnte vielleicht was für Online-Lerntherapie sein. Da ich zum Zeitpunkt unserer gegenseitigen Beratungen noch in der CAI-World gearbeitet hatte, fand ich das besser und habe damals keine Notwendigkeit gesehen, mich weiter in Miro einzuarbeiten.

Webinare und Online-Kurse

Lehrern und Trainern die auf Online umstellen wollen, empfehle ich zwei Plattformen: edudip (sofengo) und Zoom.

Edudip

Edudip hat eine kostenlosen Zugang, der ist jedoch in Zeiten von Corona ausgesetzt. Hier der Link über die Preise. Ich hatte allerdings früher eine kostenpflichtige Version.

Ich fand es sehr gut, man konnte auch etwas verlangen für die Webinare. Bei mir sind jedoch nur die kostenlosen Kurse gut gelaufen. Die kostenpflichtigen hatten nur sehr wenige Teilnehmer, so dass ich es als unrentabel aufhören musste. Man kann von den Webinaren Videos aufnehmen und diese dann verkaufen. Da geht gelegentlich immer noch das ein oder andere Video von meinen Kursen über den Ladentisch.

Die Funktionen waren super und auch die Technik lief sicher. Aber da dies nun bereits 6 bis 7 Jahre her ist, hat sich da sicherlich viel verbessert und alles ist bestimmt sehr verändert.

Zoom

Heute benutze ich Zoom. Hier die Preise.

Ab 3 Personen ist es nur bis 40 Min. kostenlos. Ich habe deswegen einen kostenpflichtigen Account.

Zoom kenne ich bisher aus Teilnehmer-Sicht, als Coach (siehe oben) und als Kursleiter. Ich habe schon viele Zoom-Webinare besucht und gegeben und es war immer stabil. Man kann in der kostenlosen Variante sogar den Bildschirm teilen und somit alle Tools vom Computer auch benutzen.

Die Einladung in den Webinar-Raum funktioniert recht unkompliziert. Den Lernenden wird ein Link geschickt und ohne Account usw. kommt man in den Webinar-Raum. Man muss jedoch zwei Sachen zustimmen. Es wird ein kleines Programm installiert, dass sich beim Beenden des Webinars wieder löscht. Außerdem muss den Video- und Audiofunktionen zugestimmt werden.

Langfristige Umstellung auf Blended- oder Online-Lernen

Falls du langfristig für die Theorie deiner Kurse auf Online-Lernen und Videos umstellen willst, empfiehlt sich die Plattform Elopage. Dort kann man Arbeitsblätter und Videos hochladen. Leider hat Elopage keine Foren oder Chat. Deswegen brauchst du immer auch noch eine zweite Plattform wie Ora oder Slack. Das ist etwas nervig, finde zumindest ich. Aber eine gute Alternative habe ich bisher nicht gefunden.

Moodle hat beides integriert, und gibt es auch in einer kostenlosen Variante als Moodle Cloud. Moodle ist aber leider sehr schwierig, auch für die Anwendung der Teilnehmer. Ich habe mal einen Kurs gemacht, wie man eine Moodle-Plattform baut und es daraufhin mehrfach ausprobiert. Von meinem Studium kenne ich es auch. Ich finde es super, aber viele Anwender sind überfordert….

Online ist eine gute Alternative

Ja, das waren meine Erfahrungen ganz kurz zusammengefasst für Berater, Coaches, Trainer und Lehrer, die auf Online umstellen wollen. Moodle und Big Blue Button empfehle ich nicht, deswegen habe ich darüber auch nichts geschrieben, obwohl ich viel Erfahrung damit gesammelt habe.

Padlet ist eine weitere Plattform, die mit Kursen oder Beratung kombiniert werden kann. Ich finde sie sehr gut, es ist eine Pinnwand, die auch interaktiv verwendet werden kann. Ich habe sie für meinen Kurs „Spannende Geschichten schreiben“ mit Kindern und Jugendlichen verwendet und denke, dass sich Padlet auch im Coaching einsetzen lässt.

Wer weiterlesen möchte: einen Beitrag über die Arbeit mit Bildern findest du hier.

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