Crashkurs für systemische Online-Beratung – Arbeit mit Bildern

Bilder sagen mehr als tausend Worte. Deswegen ist die Arbeit mit Bildern in Coaching, systemischer Beratung und Therapie wahrscheinlich das beliebteste Tool. Insbesondere das „Züricher Ressourcen Modell“ und die Arbeit mit bilateraler Stimulation mit Bildkarten verwende ich sehr häufig, egal ob mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen. Doch wie nun kannst du das Online umsetzen?

Bilder, die rechtlich abgesichert sind

Schritt 1: Es ist sehr wichtig, die rechtliche Seite zu beachten. Solange du nur Bildkarten zeigst und diese hinterher wieder in deinem eigenen Toolkoffer verschwinden, ist alles kein Problem. Doch in dem Moment, wo du hinterher eine Pdf aushändigst, die den Verlauf der Sitzung dokumentiert, musst du darauf achten, dass du keine Bildrechte verletzt.

Das Zauberwort heißt OER ( Open Educational Resources). Laut Wikipedia sind dies “ freie Lern- und Lehrmaterialien mit einer offenen Lizenz“. Näheres findest du hier.

Meine Empfehlung ist die Plattform Pixabay, die hat zwar eine eigene Lizenz, aber meines Wissens passt das.

Gefällt dir das nicht, gibt es eine Suchmaschine für OER. Dort kannst du angeben, ob du die Bilder kommernziell benutzen willst und ob du diese modifizieren willst. Den Button „Kommerzielle Nutzung“ musst du in jedem Fall anklicken, wenn du Geld für deine Beratung bekommst. Hier der Link.

Natürlich kannst du auch eigene Bilder nehmen.

Bilddatei zusammenstellen

Schritt 2: Da es unheimlich viel Zeit in Anspruch nimmt, Bilder im Internet durchzuschauen, empfehle ich die Zusammenstellung von Fotos in einer Pdf oder einem Ordner. Hier ist das Problem, dass – falls du mit Zoom arbeitest – du selbst die Bilder durchklicken musst.

Online Arbeit mit Bildern

Es ist auf jeden Fall gut, nicht nur über das Bild zu sprechen, sondern auch Parallen zum Leben herauszuarbeiten. Auch die Symbolik eines Bildes kann einen tiefgehenden Entwicklungsprozess in Gang setzen. Denn das Unbewusste entscheidet meistens über die Wahl des Bildes und so sollte diese auch angeleitet werden. Also bspw. mit den Worten: „Suchen Sie zügig ein Bild aus und denken Sie nicht groß darüber nach. Lassen Sie einfach ihr Gefühl/Herz/Bauchgefühl sprechen.“

Das Unterbewusstsein sucht also das Bild aus und durch das Gespräch wird die Bedeutung ins Bewusstsein geholt. Dies eröffnet einen tiefen Entwicklungsprozess.

Der für die Online-Beratung wichtigste Vorteil der Arbeit mit Bildern ist in meinen Augen, dass wir weg von der Dominanz des Verstandes kommen, hin zu Körper und Emotionen. Denn wir brauchen alle drei gleichberechtigt im Team, um ganzheitlich zu arbeiten!

Normalerweise wird Internet, Computer und damit auch die Online-Arbeit als rational und verstandesbetont angesehen. Dem setzten wir mit der Arbeit mit Bildern einen Kontrapunkt.

Es gibt viele Möglichkeiten, Bilder in der Online-Beratung einzusetzten. Hier einige Beispiele. Gerne in den Kommentaren auch deine Ideen.

Ein Bild als Einstieg

Um die aktuelle Stimmung zu erfassen oder sich besser kennenzulernen , ist ein Bild hilfreich. Dann wird kein besonderes Thema besprochen, sondern gleich nach der Begrüßung geht es in die Bildarbeit. Daraus wird dann möglicherweise das Thema des Tages erarbeitet.

Die Arbeit am Thema

Hier gibt es zwei Zeitpunkte, wann die Arbeit mit Bildern hilfreich sein kann: um das Thema herauszuarbeiten, also vorher oder um es zu vertiefen, also nachdem das Thema formuiert ist.

Grundsätzlich ist es in der Online-Arbeit wichtig, zuerst das Thema der Sitzung zu erarbeiten. Ev. auch das Thema mehrerer Sitzungen zu bestimmen. Mit welchen Fragen das geschieht, erläutere ich hier nicht, denn das ist natürlich gleich wie im persönlichen Gespräch. Ist das Thema klar, sollte es schriftlich fixiert werden, am besten auf einem Whiteboard. Falls du auf einem Flipchart mitschreibst, ist es wichtig, dass du unbedingt die Worte des Klienten verwendest. Besser ist es, die Klientin schreibt selbst.

  1. Vorgehen vorher: Um das Thema zu erarbeiten, wird zuerst das Bild gezogen, dann darüber gesprochen und es dann aufgeschrieben
  2. Vorgehen nacher: Ist das Thema aufgeschrieben, wird das Unterbewusstsein auch mit ins Boot geholt, indem es durch das Bild bei dem Thema noch mitsprechen kann. Dann sollte natürlich die Möglichkeit gegeben sein, das Thema noch zu vertiefen. Diese Vorgehensweise wähle ich, wenn ich den Eindruck habe, die Klientin ist sehr in ihrem Kopf.

Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, mit Bildern online zu arbeiten. Ich liebe es beispielsweise ein Bild für den Jetzt-Zustand aussuchen zu lassen und eines für den Ziel-Zustand. Und dann natürlich Fragen stellen und herausarbeiten, was die Schlüsselbotschaften des Bildes sind und was das im Leben bedeutet.

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