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Prinzessin Sonnenschein und das Geheimnis des Glücks

Es war einmal, vor nicht allzu langer Zeit, als noch Könige das Land regierten, eine kleine Prinzessin mit Namen Birgitta. Sie war hübsch, liebreizend und hatte immer ein Lächeln auf den Lippen oder trällerte ein fröhliches Liedchen vor sich hin. Nie hatte sie schlechte Laune. Nie konnte ein Schatten ihr Gemüt verdüstern. Deswegen wurde sie allgemein Prinzessin Sonnenschein genannt. Wobei es von außen betrachtet ein eher trauriges Leben war, das die Prinzessin führte. Ihre Eltern, König und Königin eines riesigen Reiches, hatten fast nie Zeit für sie, da ständig Gäste im Schloss waren, mit denen verhandelt, gefeiert oder getanzt wurde. Bei diesen Gelegenheiten durfte sie auf gar keinen Fall dabei sein. Sie hätte ja stören können bei ihren ungewöhnlichen Einfällen mit ihrer Phantasie….. Geschwister hatte die Prinzessin auch nicht und im Schloss gab es auch sonst keine anderen Kinder. Das erlaubte die Königin nicht, die vom Kindergeschrei immer Migräne bekam. So hatte die Prinzessin ihre Privatlehrer, die jeden Vormittag kamen und sie unterrichteten. Danach bekam sie von der Köchin ein Essen und nun sollte sie eigentlich den Nachmittag damit verbringen, Klavier zu üben, Hausaufgaben zu machen und zu lernen. Eine Kinderfrau hatte die Prinzessin auch nicht mehr. Der Vater fand, dafür wäre sie jetzt schon zu alt und erwachsen. So interessierte es eigentlich niemanden, dass das Mädchen mit ihren Pflichten zum Glück sehr schnell fertig war und sich dann meistens aus dem Schloss stahl, um ihre Freunde, die Elfen zu besuchen, oder einfach die Sonnenstrahlen auf ihrer Nasenspitze tanzen zu lassen. Dies war die Zeit des Tages, worauf sie sich immer besonders freute, die sie ausfüllte und glücklich machte und die sie das traurige Leben im Schloss vergessen ließ.

Das besondere Geheimnis im Leben der Prinzessin war eine innere Welt, in der sie viele Freunde hatte, in der sie spannende Abenteuer erlebte und in der sie vor Glück jauchzend herumtanzte, wie ihr das Herz begehrte. Und da Birgitta diese Welt immer bei sich hatte und eigentlich nichts weiter brauchte, um ihre Freunde zu treffen, fühlte sie sich nie alleine und einsam. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass sie immer guter Dinge war und sie an diesem Leben nicht zerbrach. Niemand der Erwachsenen wusste von dem Geheimnis ihres Glücks. Sie hatte ihre inneren Erlebnisse immer mit ihrer Kinderfrau Silvia besprochen, aber die war ja schon lange nicht mehr im Schloss. Sie hatte ihr auch geholfen, ihre innere Welt zu verschönern, hatte ihr verraten, dass man nie einsam sein müsse. Silvia hatte ihr gezeigt, wie jeder Mensch immer glücklich sein konnte und vieles mehr.

Erzählte sie ihrer Zofe oder ihren Eltern von ihrer Welt, so lachten diese und baten sie, endlich vernünftig zu werden und mit dem Phantasieren aufzuhören. So wagte sie selten, mit anderen über ihr Geheimnis zu sprechen, ließ sich aber nicht von ihren Abenteuern abbringen, sondern im Gegenteil, lernte nun auch, während sie mit anderen zusammen war, z.B. im Unterricht, immer wieder kurz einen kleinen Ausflug in ihre innere Welt zu machen und sich selber dort alles zu geben, was sie brauchte.

In der inneren Welt hatte sie 3 Freunde: einen Jungen, der Pantheus hieß, ein Mädchen mit Namen Felida und einen roten Drachen, auf dem die 3 gleichaltrigen Kinder überall hin reiten konnten und der auch Magie beherrschte. Der Drache hieß Ramus und war ein echter, extrem seltener Glücksdrache. Dann hatte die Prinzessin noch einige Wichtel und Elfen als Freunde, die in ihrer realen Welt um das Schloss wohnten, die aber von Erwachsenen meistens nicht gesehen werden konnten, und die deswegen auch für Phantasiegebilde gehalten wurden. Also sprach sie auch über diese nicht.

Eines Tages nun, es war herrlicher Sommer und die Prinzessin stand am Straßenrand und spielte mit einer Elfe, da rollte eine schwarze Kutsche mit 4 schwarzen Pferden vorbei. Birgitta beachtete sie gar nicht. Der Insasse der Kutsche, ein schwarz gekleideter, hässlicher alter Mann, konnte die Elfe zwar nicht sehen, betrachtete das Kind aber um so genauer. Er war ein Zauberer, den der König um Rat und Gefallen gebeten hatte und der sich hier auf einfache Weise eine schöne Truhe Gold verdienen wollte. Noch nie in seinem ganzen Leben, und dies war wirklich schon sehr lang, hatte der Zauberer einen Menschen gesehen, wie dieses Mädchen, das so vor Glück und Freude strahlte. Er hatte den Eindruck, er schaue eine Sonne an, die zwar hell, aber sanft und ohne zu blenden das eigene Herz berührte.

Diese Begegnung mit Birgitta ließ den Zauberer nicht mehr los und sollte auch das weitere Leben der Prinzessin noch sehr beeinflussen. In dem schwarzen Magier war in diesem Moment eine Sehnsucht entzündet, ein tiefes Verlangen, und auch ein Wissen, dass auch er so zufrieden sein könne, wenn er nur ihr Geheimnis des Glücks erfahren würde.

Er befragte alle Dienstboten. So bekam er schnell heraus, wer dieses Mädchen war. Und er begann, ihre Gewohnheiten zu studieren, und bald wusste er alles über Prinzessin Sonnenschein, was Erwachsene über sie redeten und dachten. Der Zauberer beobachtete sie dennoch weiter, wenn sie draußen spielte. Er versuchte, sich mit dem Kind anzufreunden. Zu Beginn freute sich die Prinzessin sogar, dass endlich jemand sich für sie wirklich interessierte. Sie erzählte ihm dankbar von ihren Freunden, von dem Drachen und den vielen spannenden Abenteuern, die sie gemeinsam erlebten. Der Zauberer aber tat dieses Gerede als Phantasterei ab. Er versuchte immer wieder, sie von ihren Geschichten weg zu lenken, wollte stattdessen lieber spezielle Zaubersprüche oder andere Rituale erfahren. Birgitta wusste nicht, was er von ihr wollte, da sie überhaupt keine kannte. Weil er ihr langsam unheimlich wurde, versuchte sie ihm, so gut sie konnte, aus dem Weg zu gehen.

Als für den Zauberer die letzte Nacht im Schloss anbrach, verabschiedete er sich bei allen Anwesenden mit einem kleinen Feuerwerk, um sich am nächsten Morgen ganz früh auf den Heimweg zu machen. Heimlich ließ er schon am späten Nachmittag den Kutscher in einen nahe gelegenen Wald fahren und dort warten. Dann legte er sich auf die Lauer. Als die Prinzessin zum Feuerwerk ging, schnappte er sie, schleppte sie in seine Kutsche und ließ sie zu seinen Turm bringen. Dort wurde sie in ein dunkles Kellerverlies gesperrt. Er befragte sie jeden Tag nach geheimen Formeln und Ritualen. Sie bekam genug zu essen und schnell hatte sie sich an die neuen Lebensumstände gewöhnt, denn ihre innere Welt war natürlich mit umgezogen und so fehlt ihr nur die Sonne und die frische Luft. Im Gegenteil, sie fand es sogar spannend, mit ihren Freunden an Fluchtplänen zu arbeiten. Immer wieder grübelte sie, was der Zauberer wohl von ihr wissen wollte. Sie verstand es nicht.

Aber weiterhin war sie frohen Mutes. Der Magier hörte meist Lachen oder Singen, wenn er an der Verliestür lauschte. Doch egal, welchen Wahrheitszauber er auch anwendete, er entlockte dem Mädchen ihr Geheimnis des Glücks nicht. Dass sie gar nichts vor ihm verbarg, kam ihm natürlich gar nicht in den Sinn. Die Sehnsucht nach Glück und Zufriedenheit indessen wuchs im Zauberer immer mehr und mehr, bis sie begann, ihn zu zerstören. Er rannte nächtelang in seinem Turm hin und her. Er schmiedete immer wieder neue Pläne, um an das Geheimnis zu gelangen. Bis er an nichts anderes mehr denken konnte als an das Geheimnis des Glücks. Er begann, seine eigenen Bedürfnisse und das Mädchen zu vernachlässigen. Er vergaß selbst zu essen und dem Kinde etwas zu bringen. Er hörte auch auf, sie zu befragen. Birgitta bemerkte schnell, dass es schleunigst Zeit wurde, einen richtigen Fluchtversuch zu unternehmen und ihn nicht nur in ihrer inneren Welt zu planen.

Sie dachte sich einiges aus, versuchte es, aber alles scheiterte. Sie musste erkennen, dass sie in der realen Welt ganz alleine und sehr hilflos war. Und das erste Mal in ihrem Leben saß sie da und weinte bitterlich. Nicht nur war sie traurig, dass ihr Magen knurrte und keiner kam, der sie befreite, sondern am schmerzlichsten waren die ZWEIFEL, die plötzlich an ihrem Herzen zu nagen begannen:

„Ob ihre Eltern doch recht hatten, und alles nur Phantasterei war,

ob ihre Freunde tatsächlich nur in ihrem Kopf lebten,

ob sie sich mit ihrer inneren Welt vielleicht wirklich davon ab hielt, richtig real zu leben und

ob sie deswegen in diese schreckliche, ausweglose Situation geraten war?

Sollte sie vielleicht doch so werden, wie die anderen Menschen eben auch waren, meistens ohne Träume, ohne Freude und ohne Glück…..?“

Sie schluchzte und weinte. Sie hörte nicht ihre Freunde, die versuchten, sie zu trösten. Sie spürte nicht deren sanftes Streicheln in ihrem Herzen. Sie hörte nicht den Drachen Ramus, der vor Verzweiflung ohrenbetäubend laut brüllte, da er Birgitta nicht mehr erreichen konnte und ihm nichts einfiel, wie er sie trösten oder ihr helfen konnte. In ihrer Verzweiflung glitt die Prinzessin langsam in einen tiefen Schlaf. Im Traum rissen die Wolken auf und einige Strahlen der Sonne lugten hervor und begannen, ihre innere Welt mit neuem Licht und wohliger Wärme zu erfreuen. Im Traum hatten die vier Freunde auch tatsächlich eine Idee: Es musste einen Weg geben, um von der inneren Welt in Birgittas äußere zu gelangen. So könnten die Freunde sie dann aus ihrem Gefängnis befreien. „Hoffentlich bin ich dann nicht schon verhungert…..“ Und wieder glitt eine Welle des Zweifels und der Angst über sie. Schnell schüttelten die 4 Freunde diesen Gedanken ab, stiegen auf den Drachen und machten sich auf die Reise.

Sie kamen bei einer weißen Magierin vorbei, die Ihnen Unterkunft und Essen gab. Gerne nahm sie die Kinder und den Drachen auf, versorgte sie mit allem, was ihr Herz begehrte und hörte sich natürlich auch die Geschichte der Prinzessin und ihrer Gefangenschaft an. Die alte Frau dachte einige Zeit nach, dann erzählte sie: „Es gibt viele Tore zwischen den Welten, aber sie zu finden ist sehr schwierig, da sie für uns Menschen aussehen wie Spiegel, und wir sie so meistens gar nicht erkennen. Auch Engel können die Welten wechseln, doch die dürfen eigentlich niemand mitnehmen auf diesen Reisen. Die letzte Möglichkeit und wahrscheinlich die Beste wäre, sich ein magisches Tier zu suchen. Diese könnten eine so schwierige Reise antreten, um in andere Welten zu wechseln.“ Die Kinder erkundigten sich, was denn Engel und magische Tiere seien, denn so etwas war ihnen bisher unbekannt. So erzählte die Magierin von Einhörnern, dem fliegenden Pegasus, vom bunten Phönix und von den geflügelten Himmelsboten. Wo sie lebten, wie sie aussahen, dass die Menschen magische Tiere gerne einfingen und vieles andere mehr. Die Kinder bekamen glitzernde Augen, als sie hörten, was es noch alles in dieser weiten Welt gab und sie wurden ganz aufgeregt, und wollten am liebsten gleich abreisen, um so ein Tier zu finden. Die Alte beruhigte sie und erklärte ihnen, Ruhe zu bewahren sei ganz wichtig und bat sie, erst bei Sonnenaufgang aufzubrechen.

Mit dem ersten Morgenrot saßen sie auf ihrem Drachen und winkten der Magierin dankend zu. Sie flogen und suchten viele, viele Tage, aber sie hatten das Gefühl, dass sie ihrem Ziel überhaupt nicht näher kamen. Die Prinzessin saß in ihrem Verlies, hoffte und bangte, manchmal verließ sie der Mut. Aber wenn sie sah, was ihre Freunde alles für sie taten, dann freute sie sich darüber, was für tolle, mutige Kinder sie waren.

Auf einmal entdeckten die Drachenreiter in der Ferne ein weißes Einhorn. Anmutig sprang es vorbei. Sie waren so berührt durch seinen Anblick, so ergriffen von seiner Schönheit, dass sie minutenlang keinen Ton heraus brachten. Und dann war das Einhorn sicher schon viel zu weit weg und sie konnten es nicht mehr rufen…..Hätten sie Kontakt aufgenommen, dann wüssten sie um die Magie dieser Tiere. Gesprochene Worte spielen für sie keine Rolle, denn Einhörner hören und sprechen mit dem Herzen, aber die Kinder wussten das doch nicht. Oder war es anders herum? Die Einhörner hatten die stummen Hilferufe schon lange vernommen, aber wollten sich nicht zeigen, waren vielleicht nicht stark genug, nicht mutig genug für eine Reise in eine andere Welt? Keiner kann das wissen. Als Birgitta das Einhorn sah, da strömte eine Welle der Liebe in sie ein, sie fühlte sich seit langem das erste Mal wieder richtig geborgen und begann zu lächeln, einige Töne flossen, erst zaghaft, dann immer kraftvoller, aus ihrer Kehle, bis ihr Gefängnis und der ganze Turm von ihrem Gesang und ihrer Freude erfüllt war. Diese Klänge drangen bis zu dem Zauberer. Der stand wie in Trance von seinen Büchern auf, holte Wasser, Obst und Brot, brachte die Hälfte dem Mädchen und aß den Rest selbst, verschlang es eher, so hungrig war er, und dann schlief er ein, das erste Mal seit Wochen, tief, fest und erholsam, lauschte weiter dem heilsamen Gesang und im Traum kam das Mädchen zu ihm, sang und gab ihm einen Schlüssel und ging lächelnd davon. Nach vielen Stunden wachte er auf, erinnerte sich lebhaft an seinen Traum, holte die Prinzessin und wollte von ihr erfahren, wofür der Schlüssel sei. Doch woher sollte das Kind dies wissen? Es war ja der Traum des Magiers. Sie erklärte ihm, sie wolle ihre Freunde befragen oder das magische Tier, wenn sie es finden würde und ihm dann sogleich die Antwort mitteilen. Und schon wieder ärgerte der Alte sich, dass sie in ihre Phantasiewelt abglitt und ihm nichts von ihrer Magie verriet. Aber zumindest wurde sie wieder gut versorgt und der Zauberer nahm seine täglichen Befragungen wieder auf, die Birgitta ermöglichten, einige Sonnenstrahlen und bessere Luft zu atmen und sich etwas zu bewegen.

Und die drei Freunde, wie ging es bei ihnen weiter?

Nachdem sie das Einhorn gesehen hatten, stieg auch bei ihnen die Hoffnung wieder hoch. Am Abend kamen sie an einer alten Burg vorbei und sie beschlossen, so unfreundlich sie auch aussah, um ein Nachtlager und ein Mahl zu bitten. Der Drache jedoch versteckte sich in der Nähe, da die meisten Menschen vor Drachen große Angst haben. So lagen sie dann auf Heu gebettet mit einem harten Brotkanten in der Hand da und berieten, wie es weiter gehen könnte. Schnell schliefen die erschöpften Kinder ein. Pantheus hatte einen Traum: In der Burg war ein Phönix eingesperrt. Er durchsuchte die Burg, fand einen grauen, halbtoten Vogel, den er eher als Krähe denn als Phönix angesehen hatte, befreite ihn und aus Dankbarkeit versprach dieser den Kindern zu helfen. Dann wachte Pantheus auf, weckte die anderen, erzählte ihnen alles und führte sie zu dem Zimmer. Tatsächlich fanden sie dort ein graues Etwas in einem Glaskäfig, der oben ein Gitter hatte. Sie brachen das Gitter auf, nahmen den Vogel heraus, kletterten auf einen Turm, riefen den Drachen leise herbei und waren, eh sich die Wachen auch nur umblicken konnten, auf und davon. Sie brachten den Phönix zu der weißen Magierin. Sie strich sanft über das Tier und murmelte einige Worte. Es hob den Kopf, flog auf, wurde größer und dunkler, und plötzlich explodierte er. Ein Feuer verbrannte den ganzen Vogel, bis nur noch ein Häuflein Asche übrig war. Die Kinder schrien entsetzt auf. Was hatte die Magierin da getan, mit dem einzigen Helfer für Birgitta? Doch plötzlich wuchs aus der Asche ein Ei, immer größer, dann brach es auf und heraus kam ein winziger bunter Vogel, wunderschön anzusehen, kraftvoll und gesund. Und ehe sie sich versahen, war er so weit gewachsen, dass er eine Krähe überragte. Er bedankte sich bei den Kindern und bei der Magierin und bat um Speis und Trank. Beim Essen erzählten die Freunde von Birgitta, dass sie hofften, er könne in ihre Welt wechseln und habe die Macht, sie zu befreien. Er wiederum erzählte, wie er überlistet worden war, betäubt mit vergiftetem Futter, und dann in diesen Käfig gesperrt worden war, dessen Glas feuerfest war. Und so oft er auch versuchte hatte, nur einige Krümel seiner Asche beim Verbrennen aus dem Käfig zu schleudern, es war nicht geglückt. Dann hätte sein Ei außen heranwachsen können und er wäre frei gewesen, aber so landete er immer wieder in dem Gefängnis und auch seine Tränen hatten noch nicht einmal ein klitzekleines Loch in das Glas schmelzen können….. Die Burgleute hatten sich an seinem Feuerspektakel oft erfreut. Bis er es dann aufgegeben hatte, und nur noch sterben wollte. Aber auch das ist einem Phönix nicht vergönnt, er lebt immer wieder aufs neue…..

Der bunte magische Vogel erklärte sich bereit, Birgitta zu befreien. Aber er brauche noch einige Helfer, so meinte er. Warum denn der Drache nicht auch die Welten wechseln könne? Die Kinder sahen sich erstaunt an: daran hatten sie ja gar nicht gedacht, dass Drachen auch magische Tiere sind. Die Magierin lachte. Sie habe es schon gewusst, und sogar sie könne diese Reise mit antreten. Aber sie wollte, dass sie zu dritt sind, denn egal wie böse und stark der Zauberer auch sei, drei könne er nie auf einmal überwältigen.

Am nächsten Tag machten sie sich auf den Weg: der Drache, der Phönix und die Magierin. Und als sie beim Turm ankamen, wurde es gerade Abend. Als es überall im Turm dunkel war und sie sich sicher waren, dass der böse Zauberer schlief, hauchte der Drache seinen Feuer-Atem an das Eingangstor. Es schmolz und ein dunkles Loch wurde sichtbar. Die Magierin löste die Schutzzauber, die um den Eingang lagen. Nun konnten sie den Turm betreten. Der Drache ging nach unten, schmolz mit seinem Feuer auch die Tür des Verlieses und holte die Prinzessin heraus, während die beiden anderen oben Wache standen. Er brachte das Mädchen weg und blieb bei ihr. Als sie in Sicherheit war, stiegen die beiden anderen zum Turmzimmer hoch. Der Zauberer lag da und schlief. Die Magierin machte einen Erstarrungszauber, und ließ den alten Mann nach unten schweben, während sie nebenher ging. Der Phönix setzte sein Feuerwerk in Gang und ließ die Funken weit sprühen, so dass Möbel und Bücher Feuer fingen und alles verbrannte. Währendessen löschte die Magierin alle Erinnerungen des Zauberers. Dann löste sie ihn aus seiner Erstarrung. Er lag im Gras und schlief. Ein alter unglücklicher Mann, seiner Vergangenheit beraubt, aber immer noch mit dieser Sehnsucht in seinem Herzen nach Glück und Zufriedenheit. Der Phönix begann zu weinen, so sehr tat ihm dieser Anblick in seinem Herzen weh. Seine Tränen fielen auf Gesicht und Brust des Alten und plötzlich begannen sich seine Gesichtszüge zu entspannen, ein Lächeln umspielte nun seine Lippen und um sein Herz brachen viele Mauern und harte Schichten auf, lösten sich in den Tränen des Phönix und flossen davon. Und in diesem Moment träumte der ehemalige Zauberer, dass ein liebreizendes Mädchen singend mit einem Schlüssel auf ihn zu kam, ihm dem Schlüssel überreichte, auf sein Herz wies und dort sah er es: ein goldenes Schloss. Er nahm den Schlüssel, bedankte sich bei dem Mädchen, schloss sein Herz auf und fand sein Glück und seinen Frieden. Dann nahm er das Mädchen bei der Hand, und sie sangen und lachten immer und immerfort….

Als die Befreier sicher waren, dass von dem alten Mann keinerlei Gefahr für Birgitta mehr ausging, holten sie das Mädchen und den Drachen herbei und erzählten ihnen alles. Dann verabschiedeten sie sich von der Prinzessin und kehrten in ihre eigene Welt zurück. Birgitta aber entschloss sich, vorerst bei dem alten Mann zu bleiben, und nicht zu ihren Eltern zurück zu kehren. Sie fanden im Wald eine Hütte, in der wohnten sie, Birgitta lehrte dem alten Mann alles über ihre innere Welt, was sie wusste. Jetzt endlich verstand er alles, probierte es aus und entdeckte es: sein eigenes Geheimnis des Glücks.

Silke Geßlein, 6.11.2007

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